„Leadership & Lernen – Wie passt das zusammen?“

30. November 2022

Schulen gelten gemeinhin als Orte des Lernens. Doch inwiefern ist das System Schule selbst eigentlich lernfähig? Und welche spezielle Rolle in der Weiterentwicklung von Schulen kommt hier zentralen Akteuren wie etwa Lehrpersonen und Schulleiter*innen zu? Diesen und weiteren Fragen ging Professor Michael Schratz von der Universität Innsbruck in seinem Vortrag mit dem Titel „Leadership und Lernen – Wie passt das zusammen?“ nach, den er am Mittwoch, den 30. November an der formatio Privatschule hielt.

Professor Schratz schöpfte in seiner Präsentation aus einem reichen Fundus an praktischen Erfahrungen, war er doch Gründungsdekan der „School of Education“ in Innsbruck sowie wissenschaftlicher Leiter der „Leadership Academy“, welche Führungspersönlichkeiten im Bereich Schule ausbildet. Zudem waren seine Gedankengänge vielschichtig und differenziert, wobei er sich auf pädagogische, psychologische und soziologische Konzepte stützte. Das Schulsystem beschrieb er dabei zunächst als ein komplexes Wechselspiel aus strukturgebenden Rahmenbedingungen und den in dieser Struktur agierenden Subjekten. Am Beispiel der Corona-Pandemie illustrierte er sodann, wie eine disruptive Störung das System Schule radikal zu verändern vermochte – zumindest für eine gewisse Zeit. Ganz allgemein lasse sich daraus die Erkenntnis gewinnen, dass Krisen stets eine kritische Instabilität auslösten, welche dann zu einer ganz neuen Praxis führen könnten. Dabei müsse ein Impuls zur Veränderung nicht zwangsläufig von aussen kommen. Schratz erläuterte dies unter anderem mit der Geschichte von den Lemmingen, die gewohnt waren, sich von der Klippe zu stürzen – bis Emmy eines Tages sich weigerte, den anderen in dieser Tradition zu folgen, indem sie die alles entscheidende Frage stellte: „Warum tun wir das eigentlich?“ Durch solch kritisches Rückfragen können einzelne Individuen auch eingefahrene Routinen an Schulen in Frage stellen und neue Entwicklungen anstossen. Er wies auch darauf hin, dass es heute ausgezeichnete Werkzeuge für eine gezielte Schulentwicklung gebe, wie etwa das Theory U-Modell des MIT-Forschers Otto C. Scharmer, welches ein intuitives Lernen von der Zukunft her propagiert. Schliesslich betonte Professor Schratz in seinen Ausführungen immer wieder, wie schwierig es sei, Schulen so zu gestalten, dass erfolgreiches Lernen stattfinden kann. Dies konkretisierte er anhand von diversen „Bildungsmythen“. Dazu zählt etwa die Annahme, dass Lernen automatisch das Ergebnis von Lehren sei; vielmehr müssten Lehrpersonen Unterricht als responsives Geschehen verstehen – eine Art feinfühliges Abgleichen mit den momentan existierenden Bedürfnissen der Schüler*innen. Und als einen weiteren Bildungsmythos entlarvte er die irrige Auffassung, dass der Erlass einer neuen schulischen Verordnung (wie etwa ein innovativer Lehrplan) quasi zwangsläufig zur gewünschten Umsetzung an Schulen führen würde, die am Ende tatsächlich zu einer besseren Unterrichtspraxis beitragen werde.

Abschliessend lässt sich festhalten, dass Professor Schratz lehrseitig versuchte, die Zuhörerschaft an seinem tiefen pädagogischen Wissensschatz teilhaben zu lassen. Und lernseitig hat wohl jeder im Publikum seine eigenen Goldnuggets in diesem Ideenreichtum entdecken können. Der Vortrag von Professor Schratz bildete somit die gelungene Kick-Off Veranstaltung der dritten Serie der formatio Denkmanufaktur mit dem Titel „Forum Inspirationen“. Die nächste Veranstaltung findet am 25. Januar 2023 statt und dreht sich um die guten und schlechten Seiten des Computerspielens.

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